Stress und Tiere: Das Kongress-Programm

ATN-Stress-Kongress
Stress und Tiere: Das Kongress-Programm

Lust auf Stress? Herzlich willkommen, denn um ihn dreht sich bei uns am 2. Juli 2022 alles, wenn es heißt: Wir begrüßen Sie zur ATN-Veranstaltung „Stress und Tiere: Der Online-Kongress!“. 

Wer mit Tieren umgeht, kommt am Thema Stress nicht vorbei. Wohlbefinden, Lern- und Leistungsbereitschaft, Gesundheit und Umgänglichkeit hängen wesentlich von ihrem Stresserleben ab. Wobei Stress biologisch gesehen, weder positiv, noch negativ ist. Vielmehr sind Stressreaktionen nichts anderes als Anpassungsleistungen des Organismus an innere und äußere Gegebenheiten. Auf unserem Kongress geht es deshalb nicht nur darum, kontraproduktive oder sogar schädliche Stressoren zu entlarven. Es geht um Ausgewogenheit: Was ist zumutbar, was nötig und was kann oder sollte vermieden werden – und warum. 

Exklusiv für Absolventen und eingeschriebene Schüler der ATN und unserer Partner-Akademie ATM referieren am 2. Juli 2022 hochkarätige, international renommierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu spannenden Themen: 

  • Unterforderung – Überforderung: Auf das Maß kommt es an
  • Verhaltensbeobachtungen: Erkennung positiver und negativer Stressoren in der Tierhaltung
  • Ethische Aspekte der Tierhaltung
  • Zuckerbrot und Peitsche: Verhaltenskontrolle zwischen zwei Polen 
  • Stress in der Vogelhaltung
  • Epigenetische Einflüsse auf Persönlichkeit, Verhalten und Stress als Indikator für Tierwohl bei Haushunden und anderen Caniden, Medical Training
  • Kontrolle – der etwas andere primäre Verstärker
  • Stressfaktoren in der Haltung von Zootieren und Gegenmaßnahmen
  • Schulung von Klienten in Stresssituationen

Diese Referenten und Inhalte erwarten Sie auf dem Stress-Kongress

Dr. Sven Wieskotten: Stress ist eine Frage der Dosierung
Dr. Sven Wieskotten

Dr. Sven Wieskotten: Unterforderung – Überforderung: Auf das Maß kommt es an

Tiere, insbesondere Wildtiere, die in menschlicher Obhut leben, sehen sich unterschiedlichsten Faktoren ausgesetzt, die sich direkt und indirekt sich auf ihr Wohlbefinden auswirken können. Diese Faktoren können in der Haltung und der Zurschaustellung zu Stress führen, der sich negativ auf die Tiere auswirken kann. Andererseits wissen wir, dass komplett stressfreie Haltungen, die zu einer Unterforderung führen, ebenso negative Auswirkungen auf die Tiere haben können. In diesem Beitrag wollen wir daher einmal diskutieren, wo und wann man in der Zootierhaltung Stress vermeiden kann und sollte und wie ein „gesundes Maß an Herausforderung und Stress das Leben der Tiere sogar positiv bereichern kann. 

Sven Wieskotten ist promovierter Biologe und hat im Rahmen seiner Diplom- und Doktorarbeit moderne Tiertrainingsmethoden genutzt, um herauszufinden, wie leistungsfähig einzelne Sinnessysteme bei Robben sind. Nach seiner Promotion war er noch über 5 Jahre für das wissenschaftliche Tiertraining und die Tierhaltung an einer Robbenforschungsanlage, dem Marine Science Center in Rostock, verantwortlich. Seit 2016 ist er selbständiger Tiertrainer, und bietet Beratungen, Seminare und Workshops im Bereich des Tiertrainings. Zu seinen Klienten zählen Zoos, Hundeschulen, Verbände, Tierärzte und viele andere. Seit 2016 ist er außerdem als Autor, Tutor und Dozent für die ATN tätig. 

Dr. Sabine Chourbaji
Dr. Sabine Chourbaji

Dr. Sabine Chourbaji: Verhaltensbeobachtungen: Erkennung positiver und negativer Stressoren in der Haltung

Biotische und abiotische Faktoren sind von essentieller Bedeutung für die Allostase eines Individuums. Stressoren stellen in diesem Zusammenhang eine besondere Herausforderung dar, wenn es um deren Evaluation und Kategorisierung geht, speziell vor dem Hintergrund, dass tierische Organismen sich nicht verbalisieren können. Mit Hilfe von Verhaltensbeobachtungen können aversive aber auch stressminimierende Faktoren durch die soziale oder strukturelle Umwelt detektiert werden und somit zur Optimierung der Bedingungen in der Tierhaltung beitragen.

Prof. Dr. Sabine Chourbaji ist Verhaltensbiologin (habilitiert in „Experimenteller Psychiatrie“ und „Verhaltensbiologie“) und Fachwissenschaftlerin für Versuchstierkunde. Seit 2012 leitet sie die zentrale Tierhaltung der Universität Heidelberg und beschäftigt sich dort weiterhin wissenschaftlich mit Stress-assoziierten Fragestellungen im Kontext von „Refinement“. Privat ist sie Mutter von 2 Töchtern, hat 3 Hunde, liebt Oldtimer und bereist gerne die Welt, wenn nicht gerade Corona ist.

Dipl. Biol. Hildegard Niemann
Dipl.Biol. Hildegard Niemann

Dipl. Biol. Hildegard Niemann: Stress in der Vogelhaltung

Im Vortrag „Stress in der Vogelhaltung“ erörtert Hildegard Niemann die verschiedenen Ursachen für Stressreaktionen bei Vögeln sowie die Möglichkeiten, Stressreaktionen physiologisch zu ermitteln und anhand von Verhaltensänderungen bei Vögeln zu erkennen. Die Auswirkungen von Stress und die Resilienz von Vögeln nach stressbesetzten Ereignissen und deren Konsequenzen für Haltungssysteme ermöglichen es Pflegern, das Wohlbefinden der Vögel zu steigern und gleichzeitig natürliche Reize zu setzen.  

Hildegard Niemann graduierte als Diplom-Biologin 1993 an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und arbeitet seit 2004 als Verhaltensberaterin für Papageien und Sittiche (Parrot Behaviour Consulting/PBC). Sie ist seit 2006 zertifiziertes Mitglied der Internationalen Vereinigung von Tierverhaltensberatern (IAABC), Mitglied der American Federation of Aviculture (AFA), der International Association of Avian Trainers and Educators (IAATE) und der Animal Behavior Management Alliance (ABMA).

Stresskongress Foto Jenny
Dr. Jenny Stracke

Dr. Jenny Stracke: Zuckerbrot und Peitsche – Verhaltenskontrolle zwischen zwei Polen 

Um in seiner Umwelt bestehen zu können, muss ein Tier die unterschiedlichen (externen und internen) Stimuli verarbeiten und sein Verhalten entsprechend anpassen. Dies gilt für Lernprozesse, Entscheidungsprozesse, aber auch für die Bewältigung des „normalen“ Alltags. Diese Verhaltenskontrollmechanismen werden von verschiedenen Aspekten beeinflusst – die Reize selbst spielen eine Rolle, zudem ist die Verhaltenskontrolle stark abhängig von der Motivation (Wanting), den Konsequenzen (Belohnungssystem und Strafreize) sowie dem Ergebnis (Liking). Die wesentlichen Aspekte der proximaten Verhaltenskontrolle werden erläutert, mit dem Ziel, näher zu beleuchten, wie Tiere (Verhaltens-) Entscheidungen treffen, Belohnung und Bestrafung bewerten und wie sich das auf deren Wohlbefinden auswirkt.

Jenny Stracke studierte Biologie mit dem Schwerpunkt Neurobiologie und Verhalten und promovierte zum Thema Emotionen bei Schweinen. Derzeit hat sie die Juniorprofessur für Nutztierethologie inne. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit und Forschung steht das Wohlbefinden von landwirtschaftlichen Nutztieren, wobei sowohl grundlagenorientierte als auch angewandte Methoden der Nutztierethologie eingesetzt werden um unterschiedliche Fragestellungen rund um Kognition, Emotionen und Verhalten bei Schwein, Rind, Geflügel und Pferd zu beantworten.

Susan G. Friedman, PhD
Susan G. Friedman, PhD

Susan G. Friedman, PhD: Kontrolle – der etwas andere primäre Verstärker

Verhaltensanalyse beschäftigt sich mit Prozessen, mithilfe derer Tiere lernen und ihr Verhalten verändern als Ergebnis ihrer Interaktion mit der Umwelt. Aus analytischer Sicht ist die Fähigkeit, zu lernen, Teil unserer biologischen Werkzeugkiste. Tiere wollen sich durch angemessenes Verhalten in ihrer Umwelt erfolgreich behaupten können. Aber Lernfähigkeit und Wohlbefinden können so stark eingeschränkt sein, dass dem Tier angemessene Verhaltensreaktionen nicht mehr möglich sind.  Wenn wir dem Tier eine gewisse Einflussmöglichkeit einräumen,  können wir sein Lernverhalten fördern. Dieser Vortrag gibt einen Überblick über wissenschaftliche Grundlagen und sichere, praxisbezogene Methoden, mit denen wir die Lernfähigkeit des Tieres stärken können, indem wir ihm ihm mehr Kontrolle über die Folgen seines Verhalten ermöglichen. 

Susan G. Friedman ist emeritierte Professorin für Psychologie an der Utah State University und Ko-Autorin verschiedener veterinärmedizinscher Publikationen. Ihre Artikel wurden in 17 Sprachen übersetzt. Mit ihren Online-Seminaren und Kursen zum Lernverhalten von Tieren (How Behavior Works: Living & Learning With Animals) erreicht sie Teilnehmer aus 60 Ländern. Friedman berät Zoos und Tieroranisationen auf der ganzen Welt und war von 2002 bis zum Ende des Programms beteiligt am erfolgreichen kalifornischen F&WS Auswilderungsprogramm für Kondore. Außerdem ist sie Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats für den Bereich Film und TV der American Humane Association (AHA) und Mitglied zahlreicher Organisationen (ABAI, ABMA, IAATE and IAABC). Mehr über sie und ihre Arbeit gibt es auf behaviorworks.org und facebook.com/behaviorworks.

B.Sc. Sarah Mertes und Hana Tebelmann
B.Sc. Sarah Mertes Hana Tebelmann

Hana Tebelmann & B.Sc. Sarah Mertes (Doppelvortrag): Epigenetische Einflüsse auf Persönlichkeit, Verhalten und Stress als Indikator für Tierwohl bei Haushunden und anderen Caniden, Medical Training

Für den Stresskongress widmet sich Hana Tebelmann der Rolle der Epigenetik für Persönlichkeit und Verhalten und Stress als Tierwohlindikator bei Haushunden und anderen Caniden.  Sarah Mertes referiert zum Thema Medical Training beim Hund.

Hana Tebelmann forscht für die Arbeitsgruppe MAMMALIA des Instituts für Zoologie & Evolutionsforschung, Jena, zur sozialen Kognition (Kooperation & Altruismus) bei Canidae und zu Verhaltensunterschieden zwischen (verwilderten) Haushunden, Urhunden und Wildcaniden. 

Sarah Mertes, ist Biologin (B.Sc.), zertifizierte Hundetrainerin, Gründerin der Trainings-App Pupy und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Mammalia AG von PD Udo Gansloßer. Seit 2016 arbeitet sie als Verhaltensberaterin für Mensch und Hund und gründete 2020 schließlich ihre eigene Firma. Der Fokus von Sarahs Arbeit liegt besonders auf neuen Lernmethoden im Hundetraining und der sozialen Kognition des Haushundes. 

Sabrina Brando
Sabrina Brando, PhD

Sabrina Brando, PhD: Ethische Aspekte der Tierhaltung

Lehren und trainieren ist nur dann für alle Beteiligten erfüllend und positiv, wenn es auf eine freundliche, respektvolle Weise geschieht. Im Umgang mit anderen Lebewesen ist es von elementarer Bedeutung, das Leben in menschlicher Obhut befindlicher Tiere zu achten und zu respektieren. Der tägliche Umgang, Präsentationen, Schulungen und Forschung sind Gründe, die formales Training notwendig und sinnvoll machen. Aber ungezwungenes und freies Lernen sollte dabei nicht zu kurz kommen. Zusammen steigern sie das Wohlbefinden und wirken dem Übermaß an Fremdbestimmung entgegen. 

Sabrina Brando lehrt an verschiedenen Universitäten und Colleges, gibt Seminare und berät Zoos, Aquarien und Tierschutzeinrichtungen weltweit. Ihre Fachgebiete sind das Wohlbefinden von Tieren, Verhaltensbiologie, Verbesserung von Haltungsbedingungen, Tiertraining, die Mensch-Tier-Beziehung. Sensibilität für die Art der Beziehung zum Tier ist für sie die Basis für einen positiven Umgang mit dem Tier. Von sich selber sagt sie: „Ich liebe es, draußen in der Natur zu sein, ich liebe Lachen, Reisen und das Netzwerken mit anderen, Mensch wie Tier.

„Was du tust spricht so laut zu mir, dass ich nicht hören kann, was du sagst.“ Dieses Zitat von Ralph Waldo Emerson steht für das, was mir wichtig ist: im Umgang mit Menschen, anderen Tieren, der großen Lebensgemeinschaft und dem wundervollen Planeten, den wir miteinander teilen. Zuhören, lernen, teilen vor dem Hintergrund von Respekt und Zuwendung.“ Sabrina Brando ist Initiatorin der Internet-Plattform AnimalConcepts – helping care for animals and for yourself

Die Anmeldung erfolgt über den e-Tutor des Schüleraccounts.

Weitere Einzelheiten zu „Stress und Tiere: Der Online-Kongress“ erfahren Sie hier .

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